Monthly Archives: September 2016

Am bunten Faden , Morgentext vom 28.09.2016

Posted on 28 September, 2016 in Uncategorized

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Am bunten Faden

 

Zu später Purpur-Stunde,

in grauer Mauer-Runde,

auf meinem Gelbstich-Sitz,

in Blues-Blau dunklem Zimmer,

orangener Lampen-Schimmer,

leck ich den Rot-Stift spitz,

und griffle ich in’s Schwarze,

ein Linden-grünes Lied,

weiß ich das meine Parze,

den bunten Faden zieht.


Was ist denn dann ?, Nacht-Text zum Abschluss des 27.09.2016

Posted on 27 September, 2016 in Uncategorized

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Was ist denn dann ?

 

Wenn Spinnen-Silber-Zwirne fliegen,

wenn die Renetten-Trauben, reifbäckig ihre Äste biegen,

wenn da zwei Blätter fast noch grün am Baum,

rings gloriolt von einem zitrusgelben Saum,

und wenn dazwischen lodernd schrille rote

ihr blutentflammtes Glühen senden,

und taumelnd erste weggewehte tote,

auf einem feuchten Haufen in der Gartenecke enden,

wenn deines Spanienurlaubs Bräune zögernd schwindet

und erste Stubenblässe sich schon bald in müden Schreibtisch-Zügen findet,

wenn du dich dann in Kleidung und im Fühlen erdig färbst.

Na dann ist Herbst.

 

 

erklärt , Abendtext nach einer undatierten Notiz ,am 27.09.2016

Posted on 27 September, 2016 in Uncategorized

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erklärt

 

Als Mann

der selten Fenster putzt,

schien im Oktober mir,

das Colorit des Jahres-Ausblicks schmerzlich zugeschmutzt.

Als ich den Fensterputzer drum bestellte,

erklärte sich, wie meines Wesens Blindheit sich spektral erhellte.

 

 


Der Dichter und sein Modell , Nachmittagstext vom 27.09.2016

Posted on 27 September, 2016 in Uncategorized

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Der Dichter und sein Modell

 

Komm wirf dich auf mein Din-A-Vier,

vor mich,ich paus dich durch,

deine Brust linier ich mir,

besing dir deine Furch.

Deinen Arsch ummale ich

mit meinem Bildjargon,

deinen Bauch verbale ich

mit einem Tattoo-Song.

 

Den Minne-Mund besprech ich dir

mit meiner Kusskritik,

dein Augenmerk bestech ich mir

mit meinem Kennerblick.

Auf deinem Einband stolpre ich

vom Jambenbein zum Steiß,

den Schüttelreimleib holpre ich

mit schleim dich, fress dich Schweiss.

 

Komm schmeiß dich auf mein Kanapee,

druckfrisch,

ich paus dich ab,

in meinem Literatelier,

knarzt hüftbreit hart der Zeichentisch,

mein Rotstift,rapp-zapp-zapp.

 


Tod und Dichtung , Mittagstext am 27.09.2016

Posted on 27 September, 2016 in Uncategorized

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Tod und Dichtung

 

Ich übe fleißig jeden Tag,

drei Zeilen gut zu sterben,

den sterben(auch wenn es keiner hören mag)

zählt zu den kunstvollsten und muskulösesten der Verben,

die wir aus diesem Lebenssportschatz erben.

 

Das will,behaupte ich,zu jeder Zeit perfekt gekonnt sein,

und nach der Syntax Pulsuhr herzschlagtreu trainiert,

des Schreibers Wurfhand nutzt meist seinen Kopf als Sprungbein,

bis ihm im schönsten Laufe eines Höhenflugs der Schlag,

es war ein schwüler all zu warmer Sommertag,

die letzten Anlauf-Korrekturen schockgefriert.

 

Er stürzt en face in seine Laptop-Tastatur,

ein rotes Fähnchen winkt ihn sprachlos aus der Wertungsspur.

 

Refrain:

Heute bin ich noch nicht tot,

morgen will ich leben!

Wird’s ein Übermorgenrot

als Bonuspunkt noch geben?

 

Kuckuck Kuckuck ruf noch mal,

schenk mir noch elf Lenze,

die Statistik sagt ich sei,

hart schon an der Grenze.


Interview , Morgentext am 27.09.2016

Posted on 27 September, 2016 in Uncategorized

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Interview

 

Gefragt warum er Gedichte schreibe,

“Na weil ihm das nett seine Zeit vertreibe”.

 

Gefragt warum er sie früher schon schrieb,

“Na weil das schon damals die Zeit nett vertrieb”.

 

Gefragt ob er weiterhin schreiben werde,

“Kann sein morgen lieg ich schon unter der Erde”.

 

Gefragt warum er Gedichte schreibe,

und keine Lyrik,

“Weil er sicherheitshalber beim Leisten bleibe,

denn Lyrik,

das sei ihm zu schwyrik”.


Was nicht geschrieben steht , Abendtext vom 26.09.2016

Posted on 26 September, 2016 in Uncategorized

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Was nicht geschrieben steht

 

Gott war,

(Auch wenn es nicht geschrieben steht)

von Ur und Anbeginn ein Paar.

 

Als er sich tief auf seine Göttin beugte,

in ihrem Eros einen Kosmos zeugte;

seit diesem Sündenknall ist klar:

 

Gott war,

(auch wenn es streng verschwiegen steht)

von Ur und Anbeginn ein Paar.