Monthly Archives: November 2016

Steuer , Abendtext zum 28.11.2016

Posted on 28 November, 2016 in Uncategorized

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Steuer

 

Mal wieder

mühsam den Tag

mit Papierkram vertan,

warum zündet man den Plagen-Plunder

nicht einfach an?

Brennt knisternd die trocknen Termine nieder,

springt in den Heiße-Luft Ballon

gibt noch mal richtig Leckmich-Zunder,

entschwebt jubelnd den Zwängen dem Muss davon.


Möbelhaus mit vier Buchstaben , Abendtext zum 28.11.2016

Posted on 28 November, 2016 in Uncategorized

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Möbelhaus mit vier Buchstaben

 

Heute schrieb mein Möbelhaus,

Superschnäppchen ! Frühlingsstrauß !

Schmeiß deinen alten Plunder raus,

such dir bei uns was geiles aus.

 

Ich schau meine Möbel an,

tipp mir an die Stirne dran,

ja bin ich denn bescheuert Mann?

Ex und hopp and just fore fun?

 

Ich schrieb an mein Möbelhaus:

„Euer Zeug sieht Scheisse aus,

schaff mir doch solchen Schrott nicht an,

da wär ich ja bescheuert Mann“.

 

 

 

 

 

 

 

 


Roman , Abendtext vom 28.11.2016

Posted on 28 November, 2016 in Uncategorized

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Roman

 

Jede Nacht

geh ich mit einem Buch in’s Bett,

es ist ein dickes gutes Buch,

so spannend wie ein Leinentuch,

in ihm sind auch die Bösen nett.

 

Mein Buch hat dreißigtausend Seiten

Ich bin bei zwo acht sieben zehn,

ich muss mich darauf vorbereiten,

mein Buch es wird zu Ende gehn.

 

Morgen aus der Bücherei,

leih ich mir Band zwei und drei.


der Sohn , Abendtext ,überarbeitet nach einem Text von 2010,am 27.11.2016

Posted on 27 November, 2016 in Uncategorized

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der Sohn

 

Dort wo ich einst

unumtrennbar,

mit Ihrem Leib

verkabelt war,

blieb mir

seitdem ich aus Ihr kroch,

das kleine runde Abschiedsloch.

 

Schnur,Schrei,Schnitt,Blut und Atemzug

sind mir seitdem geblieben,

die meisten Damen war’n so klug,

und haben sich flugs abgeseilt,

aus meinem Löchrig-Lieben.

 

Die Mutter liegt im Altenheim,

gelbblau in weißen Kissen,

das Band aus Blut und Atemzug,

zum zweiten mal gerissen

 

Ich werfe Erde hinterher,

und fühle es, ich lebe noch,

dort wo ich einst verwickelt war,

bleibt mir ein tiefes Abschiedsloch.


Tornister , Morgentext zum 27.11.2016

Posted on 27 November, 2016 in Uncategorized

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Tornister

 

was man da

rotznäsi,nassgescheitelt,kurzhosig

alles für Wörter rücklings mit sich herumschleppte,

und wie sie klapperten und rappelten,

wenn man versuchte morgens kurz vor Acht,

mit Pflaster verklebten Knien

die Trambahn noch zu bekommen.

 

Schiefertafel,

Tafelschoner,

Schreibgriffel,

Griffelkästchen,

Federmäppchen,

Federhalter,

Federdose,

Tintenläppchen,

Tafelschwamm,

Tafellappen,

Schwammdöschen,

Butterbrotdose,

Fibel.


Neuinszenierung , Abendtext vom 26.11.2016

Posted on 26 November, 2016 in Uncategorized

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Neuinszenierung

 

Zu Zeiten,

als wir uns unsere Trittpfade noch merken mussten,

trugen viele Bäume kleine feste wilde Brüste,

die reifen Äpfeln sehr ähnlich waren.

Im Wind bewegten sich ihre biegsamen Äste

als wären es tanzende Schlangen.

 

Dann aber begannen wir Kreuze zu küssen,

warfen uns auf die Knie,

schluckten Staub und

pflanzten in ummauerten Gärten

das Gute entlang von Schnüren,

das Böse entlang von Ketten,

nicht gewahr werdend,

dass sie sich weiterhin

notwendigerweise gegenseitig bestäubten.

 

In der Morgensonne,

auf der Bruchsteinmauer,

unter Brombeerranken,

zwischen Dachwurzrosetten,

liegt,zu einem gut lesbaren Zeichen gerollt,

die schwarze Zornnatter.

 

Mit meiner Kaffeetasse in den Händen,

beobachtet von ihrem sündfreien Blick,

lehne ich an der sich langsam erwärmenden Hauswand,

und warte darauf,dass eine Stimme ruft:

“Adam,wo bist du?”

 

 

Etappe , Abendtext vom 26.11.2016

Posted on 26 November, 2016 in Uncategorized

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Etappe

 

Man bekommt hier ein bestimmtes Quantum

an Feldpostkarten zugeteilt.

Ist es aufgebraucht bedeutet das:

Die Liebe daheim ist gefallen.

Mit leerem Feldgeschirr

vertröstet sich Durst auf Regen,

und dem Hunger wird

ein süsser Raspelhalm

zwischen die Scharfschützen-Zähne geklemmt.

Nachts liegt man in verschiedenen Stellungen

unter wechselnden Sternenzelten,

wartet auf Nachrichten von Phallus Athene,

ob Feindinnen angreifen werden,

denen man heldenhaft

die linke Wange zum Kusse hinhalten könnte,

aber zwischen dem Silvesterraketenbeschuß

und der Kampfansage an den Blutzuckerwert,

werden die handgeschachteten Gräben immer tiefer.

 

Im Morgennebel,

durch die gespreizten Schenkel

des Scherenfernrohres,

erkenne ich ausserhalb meiner Reichweite,

eine Einheit Kondome verschießender Infanteristinnen.

Einige haben Männer gesattelt

und tragen Gynäkologen-Skalpe am Gürtel.

Es muss weiter hinten in der Etappe

doch eine Möglichkeit geben,

einigermaßen gesichtsverlustfrei

um die Entlassungs-Papiere nach zu suchen.