EINMANNDING

ZEITVERDICHTUNG

Dein Schatz , Abendtext auf eine Motette von Guillaume Dufay

Posted on 26 Februar, 2017 in Uncategorized

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Dein Schatz

 

Was war ich Dir gestern doch gleich,

ich meine ich war dir vielleicht

ein Stückchen Würfelzucker,

ließ von der Süsse mich,

deiner oh wie doch so schlankranken Finger,

fallen ins Teeglas, ertrank,

und lustvoll geschlürft,

träumte mir aufgelöst Dunkles

in deines Magens fröhlich sauerer Feuchte.

 

Heute Zum Beispiel will ich dir

einen Gotischen Pfeiler mimen.

Schon betrittst du die Kirche St.Bonifaz

kaum eine Elle von mir

setzt in’s Gestühl du dich nieder,

nah meiner kühlenden Rundung.

Schau wie versunken

in das perlmutterne Schweben

einer Motette, sich deine Blicke

kerzenumspiegelt versenken.

Und ich mit angehaltenem steinernem Atem

stütze von Andacht gekräftigt, das Gewölbe

unserer Maßwerk verzierten Liebe.

 

Schließlich dann morgen, ja morgen,

da werde ich endlich

ein Lied sein,

eins nur für dich und von denen

noch nicht erdachten,

werde so mir nichts so dir nichts,

dir unter den Fahrradhelm kriechen,

während du leichtreifig sandig

den Kiefernadelweg rollst.

Da sprudle ich plötzlich voll Frohsinn

über die windtrocknen Lippen

und höre dich singen:

“Mein Schatz ist ein zaubrischer Narr”.

 

 

 

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